Was ist eine Familienaufstellung?

Eine Familienaufstellung ist eine erfahrungsorientierte Methode aus der systemischen Beratung und Psychotherapie. Sie macht unbewusste Beziehungsdynamiken, verinnerlichte Verstrickungen und generationenübergreifende Verhaltensmuster innerhalb eines Familiensystems räumlich sichtbar und erfahrbar.

Ursprung & Entwicklung

Die Wurzeln der Familienaufstellung liegen in verschiedenen therapeutischen Strömungen des 20. Jahrhunderts:

  • Pioniere der Systemischen Therapie: Konzepte von Virginia Satir (Familienskulptur), Ivan Boszormenyi-Nagy (Mehrgenerationen-Perspektive, Verpflichtungen und Loyalitäten) sowie Jacob Levy Moreno (Psychodrama) legten das Fundament für das räumliche Darstellen von Beziehungsgefügen.
  • Klassisches Familienstellen: In den 1980er- und 1990er-Jahren entwickelte Bert Hellinger das phänomenologische Familienstellen. Er prägte Begriffe wie die „Ordnungen der Liebe“ und die phänomenologische Sichtweise, stand jedoch wegen teils dogmatischer Lösungsansätze in der Fachwelt in der Kritik.
  • Moderne, Systemische Weiterentwicklung: Heutige systemische Aufstellungsarbeiten verknüpfen die Methode mit Erkenntnissen aus der Neurobiologie, Trauma-Therapie (z. B. nach Prof. Franz Ruppert oder Dr. Ero Langlotz) und der hypnosystemischen Kommunikation (Gunther Schmidt). Der Fokus liegt heute auf Eigenverantwortung, Abgrenzung, Ressourcenorientierung und individueller Lösungsfindung ohne starre Regeln.

 

Anwendungsgebiete

Eine Familienaufstellung eignet sich für eine Vielzahl von persönlichen, gesundheitlichen und relationalen Fragestellungen:

  1. Wiederkehrende Konflikte & Beziehungsmuster

    • Schwierigkeiten in Partnerschaft, Ehe oder Eltern-Kind-Beziehungen.

    • Das Gefühl, immer wieder in ähnliche Verhaltens- oder Rollenmuster zu geraten.

  2. Transgenerationale Muster & Verstrickungen

    • Übernahme von Gefühlen, Schuld oder Verpflichtungen früherer Generationen (z. B. traumatische Erlebnisse der Eltern oder Großeltern).

    • Ungeklärte Familienschicksale (z. B. früher Verlust von Angehörigen, Totgeburten, Ausgrenzung von Familienmitgliedern).

  3. Persönlichkeitsentwicklung & Abgrenzung

    • Mangelndes Selbstwertgefühl, Unklarheit über die eigene Rolle im Leben.

    • Schwierigkeiten, Grenzen zu setzen oder sich emotional von den Herkunftseltern zu lösen (Selbstintegration).

  4. Psychosomatische Symptome & Belastungen

    • Unterstützung bei chronischen Belastungen, Ängsten oder diffuser innerer Unruhe, für die es keine rein körperlichen Ursachen gibt (ergänzend zu medizinischer/psychotherapeutischer Abklärung).

  5. Entscheidungsfindung & Lebensübergänge

    • Klarheit bei wichtigen lebensverändernden Schritten, beruflichen Neuorientierungen oder familiären Umbrüchen.

 

Durchführung

Familienaufstellungen können in unterschiedlichen Settings durchgeführt werden:

  • Gruppe: Mit menschlichen Stellvertretern, die im Raum positioniert werden.

  • Einzelarbeit / Online: Mit Bodenankern, Figuren oder symbolischen Markern (z. B. auf dem Systembrett), um innere Bilder sichtbar und bearbeitbar zu machen.

 

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