Selbstverbindung in Systemischen Aufstellungen

Was ist Selbstverbindung?

Im folgenden Text beziehe ich mich hauptsächlich auf die Arbeit von Dr. Ero Langotz. 
Selbstverbindung
bedeutet, dass Sie tief mit Ihrem eigenen inneren Kern verbunden sind.

 

Stellen Sie sich vor, Sie sind ein Schiffskapitän. Selbstverbindung bedeutet, dass Sie Kapitän auf Ihrem eigenen Boot sind. Sie wissen, wo Sie hinwollen, und richten sich nach Ihren eigenen Instrumenten.

1. Ihr Wahres Selbst (Der unverletzliche Kern)

Der Kern der Selbstverbindung ist das Wahre Selbst

  • Ihr innerer Wert: Das Wahre Selbst ist Ihr eigentlicher, unverwechselbarer Wesenskern. Es ist eine unverlierbare und unzerstörbare Ressource. Es ist der Teil in Ihnen, der weiß, dass Ihr Wert und Ihre Würde in Ihnen selbst liegt – unabhängig davon, was Sie leisten oder was andere von Ihnen denken.

  • Geschenk der Natur: Dieses Potenzial gehört zur Grundausstattung jedes Menschen und ist ein Geschenk der Natur.

Wenn Sie mit diesem Wahren Selbst verbunden sind, nennt man das Autonomie. Das bedeutet, Sie können sich nach Ihren eigenen Gefühlen, Wünschen und Bedürfnissen orientieren, statt sich von fremden Erwartungen oder Überzeugungen bestimmen zu lassen

 

2. Was blockiert die Selbstverbindung? (Fremde im auf eigenem Boot)

Oft wird die Verbindung zum Wahren Selbst durch belastende, frühe Erfahrungen (Traumata) oder durch ungesunde Beziehungsmuster (das sogenannte Symbiose-Muster) blockiert.

 

Dabei geschieht meistens Folgendes:
  • Der falsche Raum: Sie fühlen sich wie "auf dem falschen Dampfer" oder "nicht ganz bei sich selbst". In Aufstellungen zeigt sich, dass Menschen oft unbewusst im Raum einer anderen Person sind (z. B. der Mutter oder des Partners), als wären sie dort zuständig oder zu Hause.

  • Fremdbesetzung (Der "Trojaner"): Sie haben unbewusst die Probleme, Gefühle oder Themen anderer Menschen übernommen und in Ihrem eigenen inneren Raum abgelegt. Dieser verinnerlichte andere wird dann zum Introjekt oder "Trojaner", der Ihr eigenes Programm stört. Sie sind dann nicht Kapitän auf Ihrem eigenen Boot, weil fremde Lotsen dort agieren.

  • Verlust und Fixierung: Eine Blockade kann auch entstehen, wenn man unbewusst an einem verlorenen Wesen (wie einem verlorenen Zwilling) festhält, weil man meint, nur mit dieser Person vollständig zu sein. Solange man auf diese verlorene Verbindung fixiert ist, kann man das eigene Wahre Selbst, das einen vollständig macht, nicht richtig wahrnehmen.

  • Falsche Liebe: Menschen, die in diesen Mustern stecken, halten es oft irrtümlich für Liebe und Fürsorge, sich ständig in die Angelegenheiten anderer einzumischen und für deren Probleme zuständig zu sein.

3. Wie wird die Verbindung wiederhergestellt? (Der Lösungsweg)

Der Coaching Prozess mit Systemischen Aufstellungen zielt darauf ab, diese Verwirrung aufzulösen, damit Sie wieder mit sich selbst eins werden.

  1. Abgrenzung und Klärung: Es ist notwendig, den eigenen Raum in Besitz zu nehmen. Mit gesunder Kraft grenzen Sie sich von dem Fremden ab, das nicht zu Ihrem Wesen gehört, wie übernommene Probleme oder Introjekte.

  2. Achtung nachholen: Ein wichtiger Schritt ist, dem eigenen Wahren Selbst die Achtung nachzuholen, indem das Alltags-Ich sich innerlich vor ihm verneigt. Dies korrigiert etwas, was innerlich "verrückt" war, weil man bisher die Aufmerksamkeit und Wertschätzung vor allem traumatisierten oder bedürftigen anderen zugewandt hat.

  3. Verschmelzung: Wenn diese Klärung erfolgt ist, können das Alltags-Ich (Rot) und das Wahre Selbst (Gelb) eins werden und miteinander verschmelzen.

  4. Das Ergebnis der Selbstverbindung

    Die Selbstverbindung wird oft körperlich als ein Gefühl von
    Ruhe, Wärme, Ganzheit, Aufrichtung, und innerer Stärke erlebt.

    Ziel ist es, eine
    stabile Selbstverbindung zu finden, die auch in nahen Beziehungen nicht verloren geht, wodurch eine gesunde, freie, liebevolle Bindung möglich wird, die nicht auf Abhängigkeit beruht.

 

Verwendete Quellen

Buch und Fachartikel
1.
Langlotz, Ernst Robert. Symbiose in Systemaufstellungen: Mehr Autonomie durch Selbst-Integration. Edition Centaurus – Psychologie, Springer Fachmedien Wiesbaden, 2015. (ISBN 978-3-658-09228-3, ISBN 978-3-658-09229-0 (eBook)).


Webseiten
2. Autonomie Training – Die eigene Lebendigkeit entdecken!

 

3. SYSTEMISCHE SELBST-INTEGRATION.

 

4. Systemaufstellung Familienstellen Systemische Selbst-Integration.

 


YouTube-Videos (Transkripte des Kanals "Dr. Ero Langlotz")
5. "Hochsensibilität und Narzissmus"- Interview mit Jana Ritzen. 6. 2 Fragen:1. kann ich Introjekt bei anderen sein? 2. wirkt unsere Arbeit umittelbar auf Abwesende? 7. Das Recht auf eine eigene Lebensperspektive und DAS SYMBIOSEMUSTER. 8. Die faszinierende Rolle des Tigers im Heilungsweg der SSI 28.8.25. 9. Kerstin, vorgeburtliche Ablehnung, Opferfalle 3 7 25. 10. Leben - oder Überleben: Entstehung und Beschreibung der Selbst-integrierenden Trauma-Aufstellung. 11. Martina, Mutter´s Not, verstorbener Bruder als Introjektion 28 7 25. 12. Oliver, Innerer Saboteur Muttertrauma 15 11 24. 13. Raphaela, zuwenig Geld, immer umziehen-Bindungstrauma Vater 21.5.25. 14. Resilienztraining 13.9.25, Nachbesprechung Aufstellung Anton. 15. Selbst-integrierende Stressorauflösung- Illustrationen von Stine Engeli 30.6.25. 16. Silke, Von der fesselnden zur ermächtigenden Liebe 9.5.25. 17. Sina, wo finde ich meinen Platz-Verlusttrauma. Lebensperspektive 20.9.25. 18. Susanne, blockiert, wenn sie öffentlich auftreten soll-verbotene eigene Lebensperspektive 16.8.25. 19. VOLLSTÄNDIGE ANLEITUNG Beziehungsklärung als "Do it Yourself" Online. 20. alexandra, Vaters Lebensperspektive übernommen 25 6 25.

 


Selbstverbindung bezeichnet den Zustand, in dem eine Person mit ihrem Eigenen verbunden ist. Dies umfasst die Verbindung zu den eigenen authentischen Bedürfnissen, Wünschen, Gefühlen, Gedanken, Erinnerungen und Überzeugungen.

 

Die Selbstverbindung ist ein zentrales Konzept, insbesondere im Rahmen der von Dr. Ero Langlotz entwickelten Methode der Systemischen Selbst-Integration® und dem Modell der inneren Familiensysteme (IFS) von Richard C. Schwartz

Merkmale und Voraussetzungen der Selbstverbindung nach Langlotz

1. Das Selbst als Grundausstattung & Ressource: Das wahre Selbst oder auch Kern-Selbst wird als der eigentliche, unverwechselbare Wesenskern einer Person verstanden. Es ist eine unverlierbare und unzerstörbare Ressource, die zur Grundausstattung eines jeden Individuums gehört und ein Geschenk der Natur ist. Dieses Potenzial muss jedoch oft erst geweckt oder wiedergefunden werden

 

2. Verbindung zum Eigenen und Würde: Selbstverbindung beinhaltet das Bewusstsein eines intrinsischen Selbstwerts und einer Würde, die aus der Person selbst heraus entsteht und nicht von Leistung oder der Meinung anderer abhängt.

 

3. Unabhängigkeit von Leistung: Wenn die Selbst-Verbindung zum wahren Selbst gestärkt wird, ändert sich das Selbstwertgefühl: Es wird unwichtiger, was man leistet oder was andere von einem denken

 

4. Orientierung und Ganzheit: Das Selbst wirkt wie ein Kompass für die eigene Orientierung und Selbstregulation. Wenn man mit dem Selbst verbunden ist, fühlt man sich vollständig. 

 

5. Abgrenzung und Autonomie: Um mit sich selbst verbunden zu sein, ist es erforderlich, den eigenen Raum zu erkennen und in Besitz zu nehmen. Selbstverbindung ist ein Aspekt der Autonomie und ermöglicht Selbstbestimmung, da man sich nach den eigenen Wahrnehmungen, Gefühlen und Impulsen orientieren kann.

 

Blockaden der Selbstverbindung

Die Verbindung zum Selbst kann durch frühe traumatische Erfahrungen verloren oder blockiert werden.

  • Symbiose-Muster: Bei Klienten, die in einem Symbiose-Muster feststecken, ist die Verbindung zum Selbst stark eingeschränkt oder fehlt. Das Dilemma besteht darin, dass sie in der Nähe zum Gegenüber ihre eigenen Gefühle und Bedürfnisse nicht spüren können und sich daher anpassen.

  • Fremdbesetzung (Introjektion/Trojaner): Eine Blockade entsteht, wenn der eigene Raum von einer fremden Person oder fremden Themen (Introjekt) bestimmt oder besetzt wird, oft am Platz des eigenen Selbst. In dieser Verwirrung fühlt man sich ohne den anderen nicht vollständig. Man ist dann nicht Kapitän auf dem eigenen Boot

  • Irrtümliche Verantwortlichkeit: Manchmal machen Betroffene irrtümlich sich selbst oder ihr wahres Selbst für die aktuellen Probleme verantwortlich und verurteilen es dafür. Dies blockiert die Verbindung, da die Alternative zum traumaorientierten Stressprogramm die Orientierung am unschuldigen wahren Selbst wäre.

Der Weg zur Selbstverbindung (Selbst-Integration)

Im Prozess der Systemischen Selbst-Integration wird die Selbstverbindung wiederhergestellt, indem das unbewusste Symbiose-Muster sichtbar gemacht und aufgelöst wird.

 

Der entscheidende Schritt im Lösungsprozess ist die Annäherung an die abgespaltenen Selbst-Anteile und das Einswerden (Verschmelzen) mit ihnen. Die Selbst-Anteile umfassen das Alltags-Ich, das wahre Selbst und das kindlich-vitale Selbst.
Wichtige Schritte zur Erreichung der Selbstverbindung sind:
1. Befreiung des Raumes: Das Fremde, das nicht zum eigenen Wesen gehört, muss aus dem eigenen Raum entfernt werden. Dazu gehört die Lösung von Introjekten und übernommenen Schicksalsthemen.
2. Abgrenzung: Die gesunde Kraft (Aggressionspotenzial) wird für die Abgrenzung genutzt, um den eigenen Raum gegenüber dem Fremden zu schützen
3. Annäherung und Verschmelzung: Der Klient verbindet sich mit dem eigenen wahren Selbst. Dies wird oft durch Rituale wie die Umarmung der Repräsentanten des Selbst oder die symbolische Verschmelzung (das Einswerden von Alltags-Ich und wahrem Selbst) dargestellt.
4. Achtung nachholen: Um die Verbindung zum wahren Selbst herzustellen, ist es oft notwendig, symbolisch die Achtung nachzuholen, indem das Alltags-Ich sich vor dem wahren Selbst verneigt. Dadurch rückt sich etwas zurecht, was bisher "verrückt" war.
5. Heilsame Erfahrung: Selbstverbindung wird oft als ein Gefühl von Ruhe, Wärme, Ganzheit, Entspannung, innerer Stärke und Aufrichtung erlebt. Dieses Glücksgefühl kann mit Erfahrungen in der Natur oder Meditation vergleichbar sein und es ist ungewohnt, dass es in den Alltagsbeziehungen stabil bleibt.

 

Das Ziel ist eine Autonomie, die es ermöglicht, mit sich selbst verbunden zu bleiben, auch in der Nähe zu einem geliebten Menschen, wodurch eine gesunde, von Abhängigkeit freie, liebevolle Bindung entsteht.


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